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09.05.2008 Taucher der "Arbeitsgemeinschaft Blautopf" haben im oberen Teil des Mörikedoms einen trockenen Gang entdeckt, der bis knapp unter die Erdoberfläche führt. Ein neues Kapitel in der Forschung bahnt sich an. JOACHIM STRIEBEL Blaubeuren Die Blautopftaucher Andreas Kücha und Salvatore Busche wollten im Mörikedom, dem Höhlensee, der sich nach einer 1250 Meter langen Tauchstrecke öffnet, eine neue Sicherungsleine befestigen. Weil sein Kamerad allein zurecht kam, fixierte Andreas Kücha schwimmend seine Tauchausrüstung an der Höhlenwand und suchte nach Fortsetzungen. Er stieg von der Wasserfläche aus 16 Meter nach oben und fand einen Gang, der nach Süden führt. "Ich stand in einem riesigen Tunnel", berichtet Kücha, der den Durchmesser mit 15 Metern angibt. Ohne Kletterei kam Kücha 270 Meter weit, bis an einem Endversturz Schluss war. Voller Neugier kehrte er zwei Wochen später, diesmal zusammen mit Michael Kühn und Jochen Malmann, zurück. Die drei Forscher tauchten zunächst durch die drei Höhlenseen Mörikedom, Mittelschiff und Äonendom, um am Beginn des trockenen "Landwegs", wo ein Biwak der "Arge Blautopf" steht, die empfindlichen Trockentauchanzüge gegen Neoprenanzüe zu tauschen. Sie schwammen durch den Äonendom, kletterten über ein Felstor ins Mittelschiff, überquerten wieder ein Felstor, schwammen durch den Mörikedom und stiegen hinauf zum neuen Gang. Die Forscher gingen bis zum Endversturz und hörten plötzlich ein dumpfes Geräusch, das sich nicht den üblichen Klängen einer Höhle wie fallenden Wassertropfen oder rauschendem Wasser zuordnen ließ. "Wir hörten die Motorbremsen von Lkws", berichtet Kücha. "Es war ultraspanndend." So wussten die Forscher, dass sie der Gang fast bis zur Bundesstraße 28, der Blaubeurer Steige, geführt hatte. Tageslicht sahen Kücha, Kühn und Malmann hinter dem Versturz nicht. Aber eine Peilung, die gemeinsam und mit Geräten der nebenan in der Vetterhöhle forschenden "Arbeitsgemeinschaft Höhle und Karst Grabenstetten" durchgeführt wurde, bestätigte das, was die drei Forscher hörten: Der Gang endet am nörlichen Hang des Galgentäles unweit der Straße. Die drei Mitglieder der "Arge Blautopf" begannen mit der Vermessung des Ganges, Andreas Kücha gab ihm einen Namen: "Stairway to Heaven" nach dem Lied der Gruppe "Led Zeppelin". Auf deutsch: "Treppe zum Himmel". Er habe beim Hochklettern zum Gang immer nach oben geschaut und sei sich vorgekommen wie auf einer Himmelsleiter, begründet Kücha die Namenswahl. Das weckt Erinnerungen an die Historie von der schönen Lau des Dichters Eduard Mörike, nach dem Jochen Hasenmayer den Höhlensee benannte. In dem Märchen von 1852 zieht die Wasserfrau einen frechen Hirtenbuben hinab in die Tiefe des Blautopfs, er befreite sich schließlich und stieg "über eine steinerne Treppe hinauf", kletterte im Finstern hin und her und "brachte den Kopf auf einmal aus der Erde". Den Kopf aus der Erde strecken konnten die drei Forscher nicht, denn der Versturz verhindert ein Durchkommen. Kücha meint, dass dieser einst beim Eintiefen des Galgentäles entstand und so alt ist, dass auch in der Vorzeit kein Mensch durch den Gang in den Mötikedom gelangen konnte. Gerade darüber denken die Höhlenforscher jetzt nach. Michael Schopper, Projektleiter der "Arge Blautopf", meint, dass in gebührendem Abstand zur Straße am Hang ein 15 Meter tiefer Schacht gebohrt werden könnte, um in den offenen Teil des neuen Gangs zu gelangen. "Es ist unser Traum und der Traum eines jeden Höhlenforschers, mal trockenen Fußes in den Mörikedom zu gelangen", sagt Schopper, der auch als Taucher noch nicht so weit war. Die 1985 vom Blautopf-Pionier Jochen Hasenmayer entdeckte Halle haben bisher weniger als zehn spezialisierte Höhlentaucher gesehen. Ein trockener Zugang würde auch für die Forschungen im hinteren Teil der Blautopfhöhle eine ganz neue Grundlage bieten. Dann könnten nicht nur Taucher in die wundervollen Tropfsteingänge und die "Apokalypse", die größte Höhlenhalle der Schwäbischen Alb und einen der größten natürlichen Hohlräume Deutschlands, gelangen. Laut Schopper gibt es die Überlegung, eine übergeordnete Organisationsform zu finden als Dach der drei im Blauhöhlensystem forschenden Gruppen, das sind die "Arge Blautopf", die "Arge Höhle und Karst Grabenstetten" und die "Arge Blaukarst", die in der Hessenhaudoline gräbt. Auch die Stadt Blaubeuren müsse beteiligt werden, so Schopper. Wildwuchs dürfe nicht entstehen. Dazu müsse der Eingang ganz massiv gesichert werden. Freilich gibt es auch schon Gedanken an eine Schauhöhle. "Da hat der Forscher ein lachendes und ein weinendes Auge", sagt Schopper. Zum einen wollten Forscher Besuchern die Schönheit der Unterwelt nicht vorenthalten, seien aber auch dem Höhlenschutz verpflichtet. Ein Besucherzugang zum Mörikedom wäre nach Schoppers Einschätzung durchaus möglich, vielleicht sogar eine Bootspartie auf dem Höhlensee. Zur Dimension der neuen Entdeckung könne er noch nichts sagen, meint Bürgermeister Jörg Seibold, der bereits von den Forschern unterrichtet wurde. Das Prüfverfahren für einen möglichen Ausbau der ebenfalls zum Blauhöhlensystem gehörenden Vetterhöhle laufe weiter, dabei gehe es insbesondere um Fragen der Sicherheit. Voraussichtlich im Juni werde der Gemeinderat ein Fachbüro beauftragen mit einer Machbarkeitsstudie für die Vetterhöhle. Das heiße aber nicht, "dass das ausschließlich so bleibt". |
Blick vom neuen Gang auf den Mörikedom |
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29.09.2006 Blautopf meets Vetterhöhle Bereits vor Tagen entdeckten die Forscher der ARGE Höhle&Karst Graben- stetten in der Vetterhöhle einen Gang der in einer kleine Halle mit einem See endet. Sie wissen, sie sind dem Wolkenschloss sehr nahe. Mit Hilfe eines Minischlauchbootes befahren Udo Wieczorek und Andreas Scheurer den See und machen einige Fotos. Einige Tage später werden diese Fotos in einer kleinen Diskussionsrunde den Tauchern der ARGE Blautopf gezeigt, da sich eine erstaunliche Ähnlichkeit mit älteren Bildern des Wolkenschlosses abzeichnet. Die Vermessung bis zu diesem Punkt wird noch einige Wochenenden in Anspruch nehmen. Doch die Spur ist heiß. Am Freitag 29.09. starten die ARGE Blautopf-Taucher Jochen Malmann und Werner Gieswein um 18 Uhr zu einem Tauchgang in das Wolkenschloss, ca 600m vom Blautopf entfernt. Das Wolkenschloss ist die erste größere Luft erfüllte Halle der Blautopfhöhle. Nach ca. 30min Tauchzeit tauchen sie in der Halle auf. Die Felswände ragen senkrecht nach oben. An einer einzigen Stelle weicht die Felswand etwas zurück. Werner Gieswein und Jochen Malmann legen ihre Tauchgeräte im tiefgründigen Schlamm ab, eine nicht ganz ungefährliche Angelegenheit. Sie waten durch den Schlamm, entdecken Fußspuren und untersuchen eine weiterführende Spalte. Tatsächlich gelingt ihnen der Durchschlupf und ein Gang öffnet sich. Sie folgen dem nach oben ansteigenden Gang ca. 60m und kommen in eine größere Halle, in die zwei weitere Gänge einmünden. Hier stoßen sie auf das Material der Vetterhöhlenforscher. Unzweifelhaft die Verbindung zwischen Blautopf und Vetterhöhle ist hergestellt. Sie schreiben zur Dokumentation noch ihre beiden Namen in den Schlamm. Michael Schopper |
Verbindung Blautopf & Vetterhöhle |
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23.09.2006 Neue Höhlengänge entdeckt In einem sensationellen Tauchgang ist es Jochen Malmann und Andy Kücha am Samstag, den 23.09.2006 gelungen den 2. Versturz ca. 2400m vom Blautopf entfernt zu überwinden und ca. 1000m neue Höhlengänge zu entdecken. Von langer Hand vorbereitet tauchen beide Höhlentaucher der ARGE Blautopf am Samstag um 11.30 Uhr ab. Unterstützt werden Sie von Michael Kühn, der beim umfangreichen Materialtransport hilft. Jeder mit ca. 120kg Tauchausrüstung bepackt, tauchen Sie nach einer Stunde Tauchzeit im Mörikedom auf. Am Ende des Äonendoms wurde bereits zuvor in vielen Transport- tauchgängen ein Materialbiwak eingerichtet. Im Biwak sind 2 komplette Ausrüstungen für die Trockenhöhlen-forschung deponiert. Außerdem Schlafsäcke, Nahrungsmittel und Medikamente die im Notfall eine mehrtägige Versorgung gewährleisten. Michael Kühn legt das mitgebrachte Material am Biwak ab und taucht danach wieder zurück zum Blautopf. |
Gangpassage im Landweg |
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Im Biwak angekommen legen die beiden Ihre schweren Tauch- ausrüstungen ab. Des Weiteren wird auch die komplette Kleidung gewechselt. Nun beginnt der Weitermarsch im so genannten Landweg. Nach ca. 2400m Entfernung vom Blautopf kommen Sie an den zweiten Versturz, der bisher das Höhlenende bildet. Sie versuchen einen Weg durch riesige, querliegende Felsblöcke zu finden, was ihnen letzt- endlich auch gelingt. Ein neuer Gang wird sichtbar. Sie marschieren weiter, die Raumdimensionen werden immer größer. Der Gang ist mit sehr vielen Tropfsteinen geschmückt, schneeweiße Sinterbecken werden sichtbar. Nach ca. 500m kommen Sie in eine riesige Halle mit unvor- stellbarer Dimension (170m Länge, 50m Breite, 50m Höhe). Sie geben ihr den Namen Apokalypse. Vergleichbares auf der schwäbischen Alb gibt es nicht, französische Höhlen wie Gouffre Berger müssen als Größenvergleich herangezogen werden. In der Halle mündet ein Seiten- gang, der aber nur kurz befahren werden kann. Am Ende der Halle kann man über eine Lehmhalde ca. 50 m nach oben steigen. Dort ist eine Gangfortsetzung erkennbar. Trotz des unbändigen Forscherdranges beschließen die beiden umzudrehen. Nach einer 8,5h dauernden Expedition erreichen beide um 20 Uhr wieder wohlbehalten den Blautopf, glücklich über eine der größten Neuentdeckungen in Deutschland. Michael Schopper Projektleiter ARGE Blautopf |
Planskizze Grundriss Höhlenverlauf |
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19.07.2006: Das Wetter am Blautopf Interview Teil 1.mp3 Interview Teil 2.mp3 Interview Teil 3.mp3 |
SWR3 Wetterman Gernot Schütz im Interview |
| 16.06.2005: ARGE Blautopf entdeckt trockene Gangfortsetzung in der Blautopfhöhle |
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Schon seit längerem ist am Ende des Äonendoms über Wasser ein dunkles, schwarzes Loch in der Wand aufgefallen. Selbst der Versuch mit einem starken Halogenscheinwerfer Licht in das Dunkel zu bringen, bringt keinen Erfolg. So reift die Idee, aus dem Wasser auszusteigen. Die Hauptschwierigkeit besteht darin, eine Möglichkeit zu schaffen das schwere Tauchgerät sicher ab- und auf dem Rückweg wieder anzulegen. In mehreren Vorbereitungstauchgängen wird mittels Haken und Bandschlingen eine Aufhängung errichtet, so dass das Tauchgerät sicher abgelegt werden kann.
Im Dezember 2004 wird der Vorstoß geplant. Unterstützt von Salvatore Busche taucht Andreas Kücha an das Ende des Mittelschiffs und legt zum ersten Mal sein Tauchgerät ab. Er durchschwimmt den Äonendom. Im starken Licht der Scheinwerfer öffnet sich tatsächlich ein Gang. Nach wenigen Metern erweitern sich die Raumdimensionen und ein riesiger Tunnel mit einem Querschnitt von 10 m mal 10 m öffnet sich. Da Andreas Kücha allein ist, muss er nach wenigen Metern auf offener Strecke umkehren. Eine trockene Fortsetzung der Blautopfhöhle ist gefunden! Ein weiterer Vorstoß wird geplant. Diesmal steigen Andreas Kücha und Salvatore Busche am Ende des Äonendomes aus dem Wasser. Schnell sind sie am Ende des bisher erforschten Ganges angekommen. Sie dringen weiter vor. Der Grund des Ganges ist überall stark mit Lehm überzogen. Aufgrund des dicken, zähen Lehms ist ein Vorankommen sehr mühevoll. Ein Höhlenbach fließt in der Mitte. Meterhohe Stalaktiten und weißer Sinter schmücken den Gang. Die Forscher dringen weiter vor. Die Gangdimensionen werden eher noch größer. Nach ca. 250 m neu erforschter Ganglänge wird der Vorstoß durch großes Blockwerk gestoppt. Der Gang setzt sich fort. Das Risiko, bei der nun notwendigen Kletterei über das Blockwerk den empfindlichen Trockentauchanzug zu verletzen ist allerdings zu groß. Damit ist der Vorstoß erstmal beendet und die Höhlenforscher kehren um. Um bei den nächsten Vorstößen ohne Risiko voranzukommen, muss jetzt in mehreren Transporttauchgängen ein Materialbiwak eingerichtet werden. Es muss Ausrüstung für die Trockenhöhlenforschung, vor allem aber wechselbare Nasstauchanzüge stationiert werden, damit sich die Taucher umziehen können. |
Von diesem Höhlensee geht es zum neuentdeckten Höhlengang. |